Max Kommerell: Das letzte Lied


Der Fischer und der Tote

 

Hier trieb er an. Nie wieder trete

Ich je zur Schwelle. Mich gereut’s.

Hier trieb er an. Nie wieder bete

Ich je zum schaumbespritzten Kreuz.

Seit mir den Fluch sein toter Mund

Auf Heimat sprach und Bett und Bauer,

Scheint mir im Strom der Stunden Trauer

Herauf als unbewegter Grund.

 

Was frommt es länger so zu fischen

Gewinnes froh Verlustes zag?

Dem Weib zu winken spät, wenn zwischen

Glutsaum und Boot verzieht der Tag?

Was fisch ich andres als dies blaß

Aus Fluten steigende Versteinern?

Was winkt mir andres als dies beinern

Erbarmungslose Wer und Was?

 

Drin schlafen sie. Wie ohne Zähre

Ich ihn begrub, sah niemand mich,

Und wie ich sann, ob keiner wäre

Der übers Aug, das brach, ihm strich.

Er spricht mir einzig wahren Laut

Weil Rätsel seinen Mund verriegeln.

Nie wie er heiße zu entsiegeln

Macht mich ihm sonderbar vertraut.

 

Mir ließ ein Sternblick schlimmer Grüne

Zur Lüge werden all dies grau

Umgebene von Strauch und Düne.

Er sei mir Bruder Sippe Frau.

Wie er verschollen sein ist fromm

Wie er im Blinden umgetrieben.

Aus sieben Gräbern murmeln sieben

Lehmfarbne Münder mir Willkomm.