Gesichte des Knechts auf Golgatha
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Freund meines Wegs und Hunger meiner Mühe,

dem ich, der Pfahl dem Baum, den er erzieht,

nicht folgen kann, wenn er an Ostern blüht,

der ich nur wie das Mark nach innen blühe,

 

indem ich dein gelassen Werk anglühe,

verdorren meine Flechsen und geschieht:

der aufgebäumte Sinn wird haltlos müd,

ich bin nur Blick noch wie in Regenfrühe.

 

Das morgentrübe Auge wie getauft

ersieht ein Seil am Baugerüst sich ringen,

das trocken lag, nun starren seine Schlingen

 

und all mein Denken nächtelang zerrauft

muß wassertrunken gleich den ärmsten Dingen

dich härter noch an mich durch Reue bringen.

 

(13.2.1919)