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Konrad Weiß: Anmerkungen und Lesarten zu den Gedichten

Friedhelm Kemp

Anmerkungen und Lesarten zu den Gedichten von Konrad Weiß

Quelle: Konrad Weiß, Gedichte, hg. Friedhelm Kemp, Kösel-Verlag München 1961

Herausgeber dieses Digitalisats: Wilfried Käding

Ins Netz gestellt am 7. Januar 2019

Vorbemerkung des Herausgebers

Die Anmerkungen und Lesarten zu den Gedichten von Konrad Weiß werden hier mit freundlicher Genehmigung von Frau Dr. Cornelia Kemp wieder veröffentlicht. Dafür danke ich herzlich. Der Text ist gegenüber dem der Buchausgabe weitgehend unverändert. Nur einige Wendungen und Abschnitte, die im Zusammenhang dieser digitalen Werkausgabe nicht zutreffend wären, wurden weggelassen. Der größte nicht übernommene Block sind die Anmerkungen zu den Boetius-Übersetzungen von Konrad Weiß, da diese hier nicht enthalten sind. Seitenangaben zu den Gedichten habe ich durch Verknüpfungen zu dem jeweiligen Gedicht ersetzt; Seitenverweise im Text der Anmerkungen wurden getilgt oder ebenfalls durch Verknüpfungen ersetzt.

Wilfried Käding

Tantum dic verbo ↗︎

Der Druck folgt in Wortlaut und Zeichensetzung der Erstausgabe; nur bei den Gedichten, die später Aufnahme in Das Sinnreich der Erde fanden, wurden die geringfügigen Änderungen dieser Sammlung übernommen. — Die Gedichte entstanden zwischen Sommer 1914 und März 1917; fünf weitere Gedichte aus dem gleichen Zeitraum waren ursprünglich ebenfalls für den Band vorgesehen, wurden jedoch später zurückgestellt. Über den Plan zu einem »Jonas«-Zyklus siehe [→]. — Zum Titel: Ich bin zu dem Buche schon wegen des Titels befragt worden, und in einer Besprechung hieß es einst, daß er bedeuten solle »Sprich nur Worte«. Er ist aus der Kommunionformel genommen, und ich wollte damit sagen, daß das Wort, durch das alles gesagt werden könne, selber nicht zu sagen möglich sei, und dem Menschen nichts übrig bliebe, als durch Dinge und Bilder zu sprechen. So ist gewissermaßen auch der Titel »Die Cumäische Sibylle« gemeint. (Brief an Hans Hennecke, 6. Juli 1939)

BESTOCKUNG ↗︎

ursprünglicher Titel: Nach der Blüte

WEILE AM WEG ↗︎

letzte Zeile: von einem Fuße auf den andern legend. (Tantum)

DURCHS FENSTER ↗︎

statt der Zahlen 1 und 2 findet sich im Erstdruck nach dem vierten Dreizeiler ein größerer Abstand

WANDERER IM HERBST ↗︎

Titel: Wanderer (Tantum)

MORGENGESTIRN ↗︎

15 wem zu Liebe, (Tantum)

Die cumäische Sibylle ↗︎

Der Druck folgt dem Wortlaut der Erstausgabe; einige wenige Änderungen in Orthographie und Zeichensetzung wurden nach der erhaltenen Druckvorlage dieser Erstausgabe vorgenommen. — Die Gedichte entstanden zwischen September 1916 und April 1920.

GESICHTE DES KNECHTS 23/24 ↗︎↗︎

ursprüngliche Titel dieser beiden Sonette: Das Wappen Adams und Das Wappen Christi (Handschrift)

Das Herz des Wortes ↗︎

Reihenfolge und Wortlaut der Gedichte wie in der Erstausgabe; einige Druckfehler und eine Auslassung wurden nach den vorliegenden Reinschriften berichtigt; nach den gleichen Reinschriften wurden einige wenige Änderungen der Orthographie und Zeichensetzung vorgenommen. — Die Gedichte entstanden zwischen Januar 1917 und November 1927.

SINNSPIELE DES ADVENTS ↗︎

Die 3 Sonette trugen ursprünglich noch die Einzelüberschriften: Adam, Der Künstler, Der Knecht des Herrn

DAS UNVERBRAUCHLICHE LINNEN ↗︎

Überschrift: Der bittere Brunnen (Handschrift, Erstdruck in der Zeitschrift Der Gral)

Widmung: Karl Caspar zu Weihnachten 1920 (Handschrift) Meinem Freunde Karl Caspar (Der Gral)

DIE MUSCHEL ↗︎

Das erste Sonett trägt im Manuskript die Widmung: Herrn Dr. C. Schmitt-Dorotić, und den Vermerk: (gegen die Decision)

DER RABE 3 ↗︎

Überschrift dieses Gedichtes in einer Handschrift: Die Quelle

AKTÄON ↗︎

5 und wiederkehrt, und unerlöst (Erstdruck in Phaidon, Ein Lesebuch auf das Jahr 1925, Phaidon Verlag, Wien 1925)

INVIOLATA ↗︎

Überschrift: Seelen im Steine (Handschrift)

SIGNET ↗︎

Dieses Gedicht steht in einer frühen Handschrift als vorletzte Strophe des Gedichtes Inviolata (siehe S. 260)

Das Sinnreich der Erde ↗︎

Die erste Fassung dieses Gedichtbuches, für das nur solche Texte vorgesehen waren, die noch in keiner anderen Sammlung Aufnahme gefunden hatten, war Anfang 1935 bei dem S. Fischer Verlag, Berlin, in Satz gegangen. Ein unkorrigierter Durchschlag der Druckvorlage, sowie die Umbruchkorrekturen der nicht in die zweite Fassung aufgenommenen Gedichte (siehe Das Sinnreich der Erde (Erste Fassung)) vom April 1935 haben sich erhalten. Für die Erstausgabe des Insel Verlages, Leipzig, wurden statt der ausgeschiedenen Gedichte 12 Titel aus der Sammlung Tantum dic verbo und eine Anzahl neuentstandener Gedichte eingegliedert. Wortlaut und Anordnung nach der Erstausgabe. Die Texte der ersten Fassung entstammen etwa dem Zeitraum zwischen April 1917 und Januar 1934, die der zweiten Fassung dem Zeitraum zwischen Mai 1917 und August 1939.

DER WANDERER ↗︎

Titel: Vor dem Abend (Handschrift)

GLOCKE DER NÄCHTE ↗︎

Titel: Morgenglocke (Handschrift)

MORGENGELÄUTE ↗︎

Vermerk: Weihnacht 1933 (Handschrift)

Die Anfangsbuchstaben der beiden Strophen ergeben als Akrostichon den Namen Felizitas

DAS LIED RUHELOS ↗︎

Ursprünglicher Titel: Immer (Handschrift)

MITTAG ↗︎

6 Daß ich ein Pendel hin und wieder schwanke (Variante einer Handschrift)

FÜNFTAGEFOLGE IM FEBRUAR ↗︎

Widmung: Gewidmet dem Kind Felizitas im Februar 1920 (Handschrift); Der kleinen Felizitas Caspar zugedacht von Konrad Weiß (Handschrift)

OCULI ↗︎

vorletzte Zeile: Unbewegter, (Handschrift)

IN DER KARWOCHE ↗︎

Die drei Gedichte bildeten ursprünglich den Hauptteil des geplanten »Jonas«-Zyklus (siehe [→])

OSTERN IM SCHNEE ↗︎

Früher Titel: Auferstehung (Handschrift)

AM BERGSEE IM REGEN ↗︎

Früher Titel: St. Wolfgang im Regen (Handschrift)

DAS SAATKORN ↗︎

Titel: Korn des Lebens (Typoskript); Das Samenkorn (Typoskript); dazu die Notiz: Daheim Jahrtag Mutter Beerdigung 28. II.

SATURN ↗︎

Widmung: Hans Thoma zu Ehren (Erstdruck in Münchener Neueste Nachrichten)

UM DAS GLEICHNIS ↗︎

Widmung im Akrostichon (Umbruchkorrektur)

DIE EINE ROSE ↗︎

ursprüngliche Überschrift: Sinnbild der Geschichte

DER ERKENNENDE ↗︎

Widmung: für Karl Caspar zum 50. Geburtstag (Umbruchkorrektur)

TEIL IM TEILE ↗︎

Widmung: für den Bildhauer Karl Knappe (Typoskript)

SICHEL ÜBERM GRUNDE ↗︎

Mir selbst ist eines der wichtigsten Gedichte in dem Bande »Sichel überm Grunde«, das am Bodensee entstanden ist und, wie ich glaube, das mächtige und sinnzerstörende Gefühl dieser Gegend voll Romanik (in Konstanz und Reichenau) und satter Naturschönheit ein wenig, wenn auch nur in loser Vokalität und gebrochener Sinnführung, erreicht hat. (Brief an Katharina Kippenberg, 14. August 1939)

DEINE ERDE ↗︎

Akrostichon mit der Widmung: für Felizitas (Handschrift)

DER BRUNNEN ↗︎

Widmung: für Karl Caspar zum 60. Geburtstag, 11. März 1939 (Handschrift)

IM REIME ↗︎

Widmung: für Katharina Kippenberg (Handschrift)

UNSERES WEGES ↗︎

Titel: Sinn und Kind (Erstdruck Weihnachten 1932, Münchener Neueste Nachrichten)

Widmung: für Fritz Büchner (Handschrift)

Die kleine Schöpfung ↗︎

Der Druck folgt dem Wortlaut der Insel-Ausgabe; die handschriftlichen Korrekturen eines Umbruchexemplars dieser Ausgabe, das sich erhalten hat, wurden berücksichtigt.

Wohl des Mittagswegs allein... ↗︎: Das Typoskript der folgenden, ursprünglich als ein Widmungsgedicht geschriebenen vier Strophen trägt den Vermerk: 3. Dez. 37 für Theodor Niermann; dazu die handschriftliche Anweisung: Kleine Schöpfung / einfügen hinter... Abendhorn.

du zuerst und wer hält Tritt, ↗︎ (1. Ausgabe, Umbruch)

durch die Himmelspforte Paß (1. Ausgabe)

wer hat in den Himmel Paß (Umbruch)

ich und du Felizitas. (1. Ausgabe, Umbruch)

Gedichte aus Die Löwin und Tantalus

DAS WEIB DER LIEBE ↗︎

Aus der Erzählung Die Löwin ↗︎. Der Sprechende ist der Erzähler: ... Denn das ist die geringste Kraft, die Spanne der Entfernung zu trinken und die Frucht des Mangels mit dem Blute herzustellen. Und so ging ich der Löwin voraus auf ihrem Wege. Und indem ich fortschritt mit dem Kinde, sammelten sich mir zwischen Glut und Kälte die folgenden Worte: Was ist dies wie ungenossen...

Das Gedicht hätte ursprünglich unter dem Titel Das Weib der Liebe in den Band Das Herz des Wortes Aufnahme finden sollen, und zwar hinter dem Gedicht Vita contemplativa ↗︎.

Was aus deinem Traum entstanden... ↗︎

Als Widmungsgedicht des Tantalus ↗︎ für Frau Maria Weiß (ohne Namensnennung) auf einer sonst leeren Seite voranstehend

KLAGE ÜBER DER SCHÖPFUNG ↗︎

Tantalus / ... Der Knabe indes, der eine Flöte trug, ging noch zwischen den liegenden Steinen, als eine langsame Stimme ihn zum Verweilen brachte... Die Stimme aber sprach eine gleichmäßige Klage: »Mit einer Hand die Seele, o die er band...«

Die Überschrift entstammt einer Handschrift im Nachlaß

Das Sinnreich der Erde (Erste Fassung) ↗︎

ANACHORET ↗︎

4 und über eigner Grube hin (Jubel [ERGÄNZEN])

7 Im Einzelnen gebot sich Gott Aufschub (Jubel)

13 Wie immer neu das Leben kam, (Jubel)

WIE SAULUS ↗︎

Titel: Wie Paulus (Umbruchkorrektur)

GESTALT DES MENSCHEN ↗︎

Das Gedicht ist an Christoph Flaskamp gerichtet; die Anfangsbuchstaben der einzelnen Verse ergeben im Akrostichon: Christopherus. Zu dem lateinischen Zitat der ersten Zeile, siehe Apost. Gesch. 2, 4

Als ich mich in Dinge brach ... ↗︎

Früher Titel: Emmaus-Frage (Handschrift)

REGENTROPFEN AM PALMSONNTAG ↗︎

Widmung: Angebinde für Franz Schranz (Umbruchkorrektur) ; das Gedicht wurde ursprünglich in ein Exemplar des Tantum dic verbo eingeschrieben

DAS SCHWEISSTUCH ↗︎

Widmung im Akrostichon (Umbruchkorrektur)

DER WEIN DER ZWEIHEIT ↗︎

Widmung für Josef und ? Dünninger (Umbruchkor- rektur); Für Herrn und Frau Dr. Dünninger zur Vermählung, 24. Aug. 33 (Handschrift)

HAUS IN DER WAAGE ↗︎

Widmung für Karl Caspar und Maria Caspar-Filser (Umbruchkorrektur); 12. Okt. 32, Für Karl Caspar zur Silbernen Hochzeit am 13. Oktober 1932 (Handschrift)

DIE WEGE ↗︎

Widmung: zum Gedächtnis für Max Ettlinger (Umbruchkorrektur) ; Für den verstorbenen Max Ettlinger (Erstdruck am 17. Okt. 1929, in Münchener Neueste Nachrichten)

DEUTSCHE SCHRIFTTAFEL ↗︎

Der erste Vierzeiler trug zuerst den Titel Bauernregel der Geschichte (mit dem Datum: 12. Mai 33), während das zweite Gedicht Deutsche Schrifttafel überschrieben war, mit dem Vermerk: Für Friedrich Vorwerk, 10. Januar 1934 (Typoskript); Friedrich Vorwerk gewidmet (Umbruchkorrektur)

In keine Sammlung aufgenommene Gedichte ↗︎

Diese Abteilung enthält alle in den vorstehenden Abteilungen nicht enthaltenen vollendeten Gedichte, von denen sich eine Reinschrift oder ein Typoskript erhalten hat; mit Ausnahme der jenigen Texte, die aus inhaltlichen Gründen unter dem Titel Widmungen und Gelegenheitsgedichte zusammengefaßt wurden. Die Mehrzahl der hier vereinigten Texte war wohl für Gedichtsammlungen bestimmt, deren Pläne entweder fallengelassen wurden oder nicht mehr verwirklicht werden konnten.

Im Anschluß an den Gedichtband Tantum dic verbo taucht 1917/ 1918 der Plan zu einem Zyklus auf, der den Titel »Jonas« tragen sollte. Für diesen Zyklus waren vorgesehen: Widmung (früher Titel von Kelch der Empfängnis 3, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag (alle drei Gedichte wurden später unter dem Titel In der Karwoche zusammengefaßt und in die Sammlung Das Sinnreich der Erde aufgenommen), Ostermorgen, Bereitung. Eine spätere Liste reiht folgende Titel aneinander: Jonas I—III (gemeint ist der Zyklus In der Karwoche), Immer (früher Titel des Gedichtes Das Lied Ruhelos), Zwiesprache durch die Erde, Gloria, »An Gott«, Von unserem Wege, Als ich mich in Dinge brach..., Wolken, Abendhimmel. Dieser Plan wurde wohl schon vor dem Erscheinen des Gedichtbandes Das Herz des Wortes aufgegeben.

Ein anderer Plan, vermutlich vom Ende des Jahres 1918, sah einen Zyklus »Die Festzeiten« vor. Unter diesem Merkwort wurde folgende Liste zusammengestellt: Advent: Bereitung, Felicitas, Echo, Gib, Maria im Dorn, Sinnspiele des Advents ; Ostern: Jonas: Widmung, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag, Ostermorgen, Der nackte Jüngling, Das verborgene Siegel, Am Karfreitag, Das Samenkorn (früher Titel des Gedichtes Das Saatkorn); Pfingsten: Blüte, Mittag, Pfingstmorgen, Die Ähre; Mariae Himmelfahrt: Unsere liebe Frau im Hage. Auch dieser Plan wurde nicht weiter verfolgt.

Ein drittes Projekt, das in die Zeit Dezember 1917 / Januar 1918 zurückreicht und bis zum Tode des Dichters festgehalten wurde, betrifft einen größeren dreiteiligen Gedichtzyklus »Die Nacht der Jungfrauen«. Einzelne in diesen Zusammenhang gehörende Texte fanden im Lauf der Jahre in die beiden Gedichtbücher Das Herz des Wortes und Das Sinnreich der Erde Aufnahme; der größte Teil wurde jedoch zurückbehalten. Mehrere der geplanten Gedichte liegen in Entwürfen vor; von anderen wurden nur die Überschrift und Stichworte aufgeschrieben. — Mit Sicherheit gehören in diesen Zusammenhang die folgenden Texte: Die Nacht der Jungfrauen 1—3, Echo, Lucifera, Brand der Lichter, Langsam daß es so lebt... (als Mittelstück des ersten Teiles), Claudia Procla, Eremos 1/2; Eremos 1 unter dem ursprünglichen Titel Exordium), Gesang in der Muschel, In zwei Sinnen, Wie im Glasbild, Rosenstück im Wort, (ursprünglicher Titel Primordium); ferner die Entwürfe: Felicitas, Pallas, Denn will ich als dein Nichts..., Will die Magd des Herren sehen...; mit einiger Wahrscheinlichkeit die Gedichte Diana, Die erste Nacht, Ich erstaune tief in Scheu..., Von unserem Wege, unter dem ursprünglichen Titel Wanderer, und die Entwürfe Gib mir wie du Körner füllst... 1—3, Wie ist dieses Korn erwacht..., Zu dem Tier in meinem Rachen..., Unbewußter spricht der Mund..., Ehe noch der starke Held.... In den Notizen zu diesem Zyklus tauchen noch folgende Gedichttitel auf: Initium (Morgen), Lesung, Der stumme Geist, Gefechte der Nymphen, Sulamith, Der brennende Dornbusch, Der weinende Petrus, Gespräch zwischen Antonius und Paulus; eine Liste führt folgende Merkworte auf: Oreade, Nereide, Najade, Dryade, Pallas, Gaia, Leid um das Reich, Pan, Sibylle, Logos, Christl. Reich, Logos, Der Täufer, Ich muß abnehmen, Dolorosa.

Der Titel »Nacht der Jungfrauen« deutet auf die bekannte Parabel des Evangeliums nach Matthäus; daher finden sich zu den beiden Folgen der jeweils zehn zweistrophigen Gedichte auch die Überschriftsentwürfe Zwiegesang der klugen und törichten Jungfrauen und Gefechte der Jungfrauen. Mit den Jungfrauen zusammengedacht werden hier die Frauen, die in der Osternacht sich rüsten, zum Grabe des Herrn zu gehen. Zu diesen Jungfrauen und Frauen gehören zahlreiche Gestalten des Alten Bundes, des Heidentums, der Evangelien und der christlichen Legende, welche als heilsgeschichtliche »Figuren« zu Wort kommen. Es handelt sich um Nacht- und Morgengedichte, die in Gleichnissen von Licht und Dunkel auf das Mysterium des Grabes und der Auferstehung deuten. Im Mittelpunkt sollten die Pietà und eine Rede des toten Christus stehen. Zum Sinn des ganzen Zyklus seien aus den Tagebüchern und Entwürfen folgende Aufzeichnungen mitgeteilt:

16. XII. 18. Nacht der Jungfrauen, Lösung: Das ist das Geheimnis des Brunnens (von vor einem Jahre und immer): das Fleisch anfassen, es nicht in Lüge und Verderb und weitere Laster falschheit kommen lassen, es ist das Grundgute vor der Lüge darin, in der Erkenntnis zu Wirklichkeit zu gelangen. — Nacht der Jungfrauen, 20. II. 19. Daß ich so die Dauer leben / ganz die Spanne fühlen muß / wie am Kreuze. — 5. V. 22. Nacht der Jungfrauen. Die Plan-Sinn-Betonung führt zur Abkürzung, zur Theorie; immer um Gnade bitten der ständigen Begegnung, um das Öl, um die Wirklichkeit, das Reale, als die Differenz von der Idee, das Ungöttliche, um die menschliche Gültigkeit / um das Öl, nicht die Schale. — Nacht der Jungfrauen / Sinn: reine Schönheit nicht möglich ohne Abstand / sie ist am Wege von reclusa zu immaculata / sie ist nur geschichtlich möglich. — Hauptinhalt der »Nacht der Jungfrauen«; bei Haecker Sprache-Lesen gedacht, daß so lange und tief eingegraben sein müssen, daß man nicht über Sprache, sondern nur mit der Sprache denken kann / Der Sohn der Pietà spricht: durch Sterben / toten Leib / noch mehr eingegraben als durch Kreuzigung / dieses Plus, das Jesus als Toter erhalten mußte!

Die Gedichte dieser Abteilung wurden auf Grund der Notizen des Dichters gegen den Erstdruck von 1949 nach Gesichtspunkten der Zusammengehörigkeit etwas umgeordnet; neu aufgenommen wurde das unveröffentlichte Gedicht Lucifera; das Gedicht Klage über der Schöpfung und das Fragment Willst du umsonst gewesen sein... wurden in andere Abteilungen verwiesen.

ECHO ↗︎

Dazu Vermerk: (Oreade)

CLAUDIA PROCLA ↗︎

Zur Überschrift: Claudia Procla ist der legendäre Name der Gemahlin des Pontius Pilatus; zum Inhalt und namentlich zu Vers 52 siehe Matth. 27, 19

Bei den ersten Entwürfen findet sich die Notiz: Das Weib des Pilatus, Claudia Procula; vorher Antonius und Paulus, dann 2. 10 Jungfrauen (womit vermutlich das Gedicht Brand der Lichter gemeint ist)

EPHETA ↗︎

Zur Überschrift siehe Mark. 7, 34

EREMOS ↗︎

Frühere Titel des ersten Gedichtes: Anachoret, Exordium (Handschrift)

IN ZWEI SINNEN ↗︎

Früher Titel: Zweisinnig (Handschrift, dazu Vermerk: Bild und Wort / Initium?)

ROSENSTÜCK IM WORTE ↗︎

Früher Titel: Primordium (Handschrift)

NEUJAHRSWORT ↗︎

Eintragung in das Gästebuch von Franz Schranz

HAUSSPRUCH ↗︎

Dreimalige Wiederholung des Namens Maria als Akrostichon

DEM KÜNSTLER ↗︎

Zuerst als Widmung in ein Exemplar der Schrift Der christliche Epimetheus (1933)

SEPTEMBERANFANG 1939 ↗︎

Dieses Gedicht, das Fragment Willst du umsonst gewesen sein... und das Gedicht Eines Morgens Schnee sind in der angegebenen Reihenfolge die letzten Gedichte von Konrad Weiß

Largiris ↗︎

Die Dichtung »Largiris« hat Konrad Weiß durch viele Jahre hindurch beschäftigt; die ersten Niederschriften reichen bis in den November 1917 zurück. Wäre sie vollendet worden, so besäßen wir in ihr wohl eine poetische Summe seines Lebens und Sinnens, gewissermaßen ein großes Gewebe, dessen Zettel eine christliche Anthropologie und marianische Geschichtslehre gewesen wäre, durch welchen sich der vielfarbige Faden einer inneren Biographie des Dichters als Einschlag hindurchgeschlungen hätte. Die Pläne lassen einen Aufbau in drei Stufen oder Stockwerken erkennen; die wesentlichen Leitmotive sind dem ersten Kapitel des Evangelium Johannis und des ersten Johannesbriefes entnommen.

Neben häufigen Tagebucheintragungen und verstreuten Bemerkungen auf losen Zetteln liegt vor allem ein großes Schreibbuch in Folioformat, eine Art »Journal«, vor, in welches sich viele Notizen und Entwürfe sowie eine Reihe von fertiggestellten Teilen eingeschrieben fanden. Diesem Bande war eine größere Anzahl von Einzelblättern mit Notizen und ausgeführten Stücken beigelegt. Außer mehreren ausgeführten Bruchstücken, die in Reinschrift vorliegen, enthält der vorstehende Druck den größten Teil der dichterischen Entwürfe, soweit sie zu entziffern waren. Es darf jedoch angenommen werden, daß, mit Ausnahme des einleitenden Teiles, keines dieser Stücke eine endgültige Fassung darstellt. Die ungenügende und flüchtige Zeichensetzung der Entwürfe wurde im Druck beibehalten. — Die Texte sind gegen den Erstdruck um einige Stücke vermehrt worden; einige Lücken konnten ausgefüllt, zahlreiche Versehen und Lesefehler berichtigt werden.

Eine endgültige Sichtung und sinnvolle Ordnung der Notizen muß einem späteren Datum vorbehalten bleiben. Um jedoch einige Anhaltspunkte zu geben, seien nachstehend die wichtigsten Entwürfe und Notizen zum Schema der Dichtung mitgeteilt:

I den Plan erdenken, Hunger, Wasser, Mutter, Glaube

credo ut intelligam
Natur Zeit non ex sanguinibus Armut
Berufungssinn

wird Mittel, Mittelung, äußerlich, äußere Grenze

II den Plan ertun, erschaffen, ihm zuvortun, Hauch, Blut, Vater, Hoffnung

credo ut faciam
Geschichte Ort neque ex voluntate carnis Keuschheit
Erbarmungssinn

wird Mutter innerlich, innere Grenze, Selbstschicksal, protestantisch

III den Plan empfangen, sich mit ihm kreuzen, die Kühnheit
des Ausweichens, Lockens, Substanzvermehrens aus dem
Brunnen, Liebe, Zweig

credo ut mihi fiat
neque ex voluntate viri Gehorsam
Loskaufsinn

Largiris

I non ex sanguinibus, nicht aus Blut, sondern aus Wasser, aus
dem Sinn, wiedergeboren aus der Taufe,
auch das Blut in Wasser getauft

II neque ex voluntate carnis Geist in Blut, aber nicht bloß Tun,
sondern in Ruf, Spanne, Abstand der
Zeit empfangen, nicht bloß Einzel-
mensch, sondern Gesellschaftbau

III necque viri humilitas und potestas
die humilitas-Frage Klassik etc.

Largiris 11. Okt. 33

1. Stock credo ut intelligam, Natur in ihrer eigenen Reinheit
und Glaube, daß für die Einsicht eine
iustitia sich dazustellen muß

2. Stock credo ut faciam, diese iustitia, daß Natur erst durch
Geschichte erwerbbar ist

3. Stock credo ut mihi fiat, gratia, ancilla, dies bei »Genannt
Bona«: »Der Unterschied ist die Haupt-
sache«, dies gegenüber Natur durch Ge-
schichte

1. Sonntag nach Ostern Joh. Epist. I, 5, 4—10
Denn drei sind, die Zeugnis geben im Himmel:

der Vater I
das Wort II und diese drei sind eins
der hl. Geist III

und drei sind, die Zeugnis geben auf Erden:

der Geist und III
das Wasser und II und diese drei sind eins
das Blut I
I pondus ut faciam Weihnacht
II numerus ut mihi fiat Ostern
III mensura ut intelligam Pfingsten
Ordnung der drei Zonen Fronleichnam
Lobgesang Gregor
Ordnung im Zwischenreich ut trina rerum machina
Zwischenreich Bonaventura Itinerarium cap. I,11
Zu unterst I numerus pondus quoad situm ubi inclinantur
mittlerst II mensura numerum, quo distinguuntur
oberst III pondus mensuram, qua limitantur
I non ex sanguinibus (Erde) d. h. Blut zwischen Licht- und Nachtprinzipien
II neque ex voluntate carnis (Geschichte) d. h. Position und Negation gegenüber bloß klass. Position substitutiv als transsubstantiativ
III neque ex voluntate viri (Kontemplation) Aktion als in sich inbildlich weib-männlich durch Schauen largiris

über dem obersten sed ex Deo nati imo

I die positive Leiter
non ex sanguinibus, doch aus Blut gegenüber der falschen Neu-
tralität, Mittelabtrennung

II carnis, doch aus Fleisch gegenüber dem falschen Geistbegriff

III non viri, doch aus Mann der Lichtmeß
nicht mehr soviel »entstockt, du kannst mich zahllos wenden«
Inbegriff der Liebe ist das Geschehenlassen der Schöpfung
(durch Güte), welche Überwindung in Gott, daß Erbarmen
dazu kam

III Stock, Messe von Lichtmeß
Magdalena, diesen letzten Lichtpunkt statt Blut.
nicht das Sammeln, diese Romantik, sondern alles dies liegen
lassen für den Grund und Punkt letzter Wesenheit

I von Stil führen lassen, Dudelsack, sanguinibus
II mit Stil erkennen, kämpfen
III wieder von Stil largiris führen lassen, überall viri,
Weib, Augustinus Blumen

I vorher die Faulheit der Wissenschaft, der faule Knecht, Blicken
und Betrachten statt Tun
II Stock, um hinaufzukommen, was bringt hinauf

I Wasser über sanguinibus, bis die Blutangulation
II non ex voluntate carnis, sondern geknechteter Mann, innere
Brechung, Blutangulation (Corinth, Kleist)
III viri, Frau, reinen Weibes Spiegel

non sanguinibus, Blut, aber nicht Wissen
non carnis, sondern Dudelsack und Verwandlung des Steins,
nicht Werden, sondern Sein
non viri, Blut, aber nicht Willen, nicht Hauch, nicht Hunger,
nicht Sein, sondern Werden, aber nicht zu viel

Largiris
der Vers »plötzlich weinen unter einem grünen Zweig«

Largiris
III daß kein Mensch mit ganzem Genusse lebt
II kein Mensch mit ganzem Tun, Sinnerfüllung, blind
I kein Mensch ganz im Sinne eingeschwiegen

III der Mangel meiner Antwort ist die Erde ganz »mein Mangel
deine Braut«
II man muß im Spiele bleiben, nicht bloß Verallgemeinung, das
abgetrennte typische Andachtsbild, das Ich-Band in Demut
festhalten

Largiris
für II. Stock Blut und das Wort Bismarcks: »nicht richten, son-
dern politisch handeln«

für III. Stock auch nicht politisch handeln, sondern stets zuvor-
kommen, sein eigenes Sein geben, dies als Krite-
rium geht in ganzer Handlung in Ahnung: Ort
des Immerruhens über

II non ex voluntate carnis, sondern das Eingraben, das Tun, um
die ungleiche Dauer des Sinn-Erkennens in Zeit und Band der
Barmherzigkeit zu verwandeln

Largiris
Übergang zu II, wieso von Natur in Geschichte, aus dem Gebet
der Monika in Geschichte übergehen müssen.

Aufstieg zu III, daß keiner dieser zwei Wege: Natur: Geschichte
allein geht, sondern »in dich gestückt« eins mit dem andren wie
Leiter oder so wie Wirbel und sich baumhaft zu III hinauf

Largiris III. Stock, vorher (II. Stock) alles in den Sinn binden
wollen, dann nur die Früchte überall nehmen, keinen Sinn mehr
verfolgen

Largiris III. Stock, zu der schon geschriebenen Notiz, daß Inhalt
die innere Gerechtigkeit sein soll, dazu weiter: Gedanke: Mutter,
daß sie »wie es das Tier nicht weiß, ein blindes Werkzeug schier
gebraucht wird auf des Herren Spur.«; dieser Sinn des Gedächt-
nisses bei Tier und Mutter, diese Bestimmungsmöglichkeit gegen
den Willen gegenüber Pflanze, daß Wille eine Art Rückkehr und
Erinnerungssinn sei zum ersten Glückgrund, daß aber (gegenüber
der Pflanze) dem Tier diese restlose Zurückkunft in den Erinne-
rungsgrund und sein erstes Glück (auch Paradies) genommen
wird; daß Gott vielmehr gegen diesen Grund das Accidente baut;
er baut durch Tier und Mutter also seine Zeit, seinen Schollen-
weg der Schmerzen, er macht durch die Mutter die Geschichte

Das Entscheidende, daß man im II. Stock gegenüber der immer
seit mittelalterl. Lebensgrundverderben führenden Vernunft das
Roß der Erfahrung vorschießen läßt, das Roß zum 2. Male
III Largiris Sinn, Himmelfahrtsweg largire, Theoria
III in das 3. Reich hinauf, nicht gleichmäßige Quelle zu Bach,
sondern aus Herz pochend, stoßweise wie Widderpumpe
III Magdalena, Weinberg, Joh. Kommunion
Largiris, Magdalena, das Negative der Auszweigung, der Diffe-
renz, Selbstbehauptung durch Gnade

III Stock: Herauskommen aus Baum:
daß man bisher nur wie eschatologisch gerichtet war — diese Art
von Trägheit (auch gegenüber gesellschaftlicher Pflichtgeltung) —
wie auch geschichtl.: »selber dieser, der sich immer / nie zum
Dienst bereit, / austat wie zum letzten Leid«.
III nicht viri, Ritter, nicht Gesetz, sondern Leben, nicht vertrags-
mäßig, sondern misericordia, reines Werden, das ist Ritterschaft,
nicht sich wehren in vertragsmäßigen kleinen und fixierten Wor-
ten, sondern leben in Lebenswert, dadurch in Meer, Barmherzig-
keit und wie Rachekampf; Gerechtigkeit ist jene Eigenschaft des
Herrn und Setzung für Gesellschaft, die er gesetzt hat, als der
Mensch den Kern und Keim der Liebe verlor; der barmherzige
Wehrlose lebt und der Ungerechte vergeht

1↗︎ Reinschrift des Gedichtanfangs auf sechzehn Manuskriptseiten in zusammenhängendem Laufe

2↗︎ In einer früheren Niederschrift unmittelbar anschließend an 1

3↗︎ Früher Entwurf zu I

4↗︎ Entwurf, zu I oder III gehörig

5↗︎ Nur zum Teil entzifferter Entwurf

7↗︎ Fragment auf dem Entwurf zu 16

8↗︎ Flüchtiger Entwurf, nur zum Teil entziffert

9↗︎ Auf der gleichen Seite des Journals wie 17

10↗︎ Entwurf, zu den beiden ersten Versen der Vermerk: Michelangelo, Sixt. Decke, Sintflut, dem Begriff entfliehen, je mehr Säule, desto

13/14↗︎ vielleicht zu II gehörig

16↗︎ Reinschrift

19↗︎ Reinschrift

25↗︎ Entwurf mit der Überschrift Advent und dem Datum: 1. VIII. 18

27/28↗︎ Fragmente aus einer Meditation über Kleist, als Einleitung zu III

30↗︎ Zu II oder III gehörig; das Blatt zeigt neben den Worten Ritter, Leiter eine kleine Zeichnung, einen Baum darstellend, in welchen eine Leiter hinaufführt

31↗︎ Um den Text verschiedene Notizen, darunter: kein Verdienst am Treu-bleiben, auch nicht die Lust am Ausgestalten! nur Sinn: daß Maria alle diese Dinge bewahrt in ihrem Herzen / jeder trägt seinen Baum, Leidensbaum

34↗︎ Wohl zu III gehörig, fast Reinschrift

39↗︎ Sehr flüchtiger Entwurf

40↗︎ Notiz am Kopf der Seite des Journals: Theoria — auch 3. Sonntag im Advent große Antiphon: O sapientia quae ex ore altissimi prodisti, die Weisheit aus Gott, die sich in Schau des Sinnes der Geschaffenheit reinster Form verwandelt

42↗︎ Diese Verse finden sich an den oberen und unteren Rand des großen Schemas mit den Bonaventura-Zitaten geschrieben

43↗︎ Reinschrift und Entwürfe

43↗︎ Reinschrift auf losen Bogen; vielleicht zu II gehörig

44↗︎ Reinschrift; bezugnehmend auf den Besuch einer Ausstellung

45↗︎ Früher Entwurf des Gedichtanfangs, erste Niederschrift auf Kalenderblätter aus dem November 1917

46↗︎ Vier Fragmente mit Tagebuchaufzeichnungen und Notizen über Wesen der Schrift (Fraktur) und Münze; daraus: Transsubstantiation der Münze; ich an den Sinn des Geldes oft gedacht, Geld mehr als Arbeit; wie bei Schiller doch dieses »fühlend schuf« (siehe »Jungfrau von Orleans« IV, 1) die wahre Prägung und Münze der Geschichte, das wahre enteignete Schicksal und große Spiel aufhebt und vernichtet; Shaw, Kleist, das holde Geschöpf, bei Shaw statt Münze (Kleist) oder Hostie der Prägung und Substantiation tritt die Diskussion geschichtlicher Resultate ein.

49↗︎ Einzelzeile mit dem Vermerk: Goethe, Keppler

50↗︎ Einzelzeile mit dem Vermerk: Saul

53↗︎ Mit Bleistift über 54, dazu Vermerk: I sich von Stil leiten lassen, dazu ex sanguinibus, Ecce homo

54 bis 56↗︎ Sinn- und Reimspiele in aufgebrochenen Verszeilen

54↗︎ Reinschrift, zu I gehörig

55↗︎ Reinschrift, vermutlich zu II gehörig

56↗︎ Rohentwurf auf losem Blatt

Widmungen und Gelegenheitsgedichte ↗︎

Die meisten der hier vereinigten Gedichte liegen in Typoskripten oder Reinschriften, einige wenige in handschriftlichen Entwürfen vor. Die Texte wurden gegenüber der ersten Gesamtausgabe um einige Stücke vermehrt und neu geordnet.

VORSPRUCH ↗︎

Erstdruck mit dem Titel: 1933, in Konrad Weiß, Der christliche Epimetheus, (Berlin) 1933, Edwin Runge, S. 3; eine Handschrift mit dem gleichen Titel trägt die Widmung: für Prof. P. N. Cossmann

ZUM NEUJAHR 1932 ↗︎

Titel: 1932 (Handschrift) Widmung: für Prof. Cossmann zu Neujahr (Handschrift)

Das ist wie Schrift... ↗︎

Widmung: für Prof. Cossmann, 31. Dez. 30 (Handschrift)

In Zerwürfnissen der Zeit... ↗︎

Widmung: Herrn Professor Paul Nikolaus Cossmann zum 60. Geburtstag als verspätetes Angebinde herzlich gewidmet von Konrad Weiß (Handschrift); für Prof. Cossmann zum 60. Geburtstag in »Herz des Wortes« eingeschrieben (Typoskript)

WEIHNACHTSSPRUCH ↗︎

Widmung: Herrn Ministerpräsident Held zu Weihnachten im Jahre seines 60. Geburtstags (Handschrift)

UND HEUTE? ↗︎

Widmung: für Dr. Josef Dünninger / 16. Mai 33 (Handschrift)

Der in Zeitschaft eingestuft... ↗︎

Vermerk 23. XII., 37 / Herrn Dr. Peter Suhrkamp (Typoskript)

Wie nur ein Wesen endlich zu sich findet... ↗︎

Widmung: Für Johann Ludwig Döderlein herzlich von Konrad Weiß. 7. Juli 1939 (Handschrift)

MOSAIK ↗︎

Vermerk: Herrn Dr. Alois Elsen herzlich gewidmet von Konrad Weiß (Handschrift)

Von Stamm und Wuchse echt und froh... ↗︎

Vermerk: Für Alexander Heilmeyer zum 60. Geburtstag, 23. März 32 (Handschrift)

Wie wollte man den Sprachgeist necken... ↗︎

Datum: 10. November 1929 (Tagebucheintragung)

POLEMISCHES 2, KLASSISCH ↗︎

13 so oft durchschlagen und auch durchgeglommen (Handschrift, statt durchgeklommen; vgl. gaugelnd statt gaukelnd in dem Gedicht Die Ähre, S. 497)

JUSTITIA ↗︎

Niederschrift: 1. Juni 33 (Handschrift); Erstdruck: Münchener Neueste Nachrichten, 17. Sept. 1933

ROMANISCHE KIRCHEN AM RHEIN ↗︎

Eintragung in das Gästebuch von Dr. W. Hohn, mit dem Vermerk: Dahlheim 20.-22.IX. (1930). Konrad Weiß

Zeit dreht ihr Auge her... ↗︎

Widmung in Konradin von Hohenstaufen, Oktober 1938

ZUM GOCKELHAUS ↗︎

Vermerk: 16. Sept. 33, Abfahrt Vorwerk

TAG DER ELTERN ↗︎

Akrostichon mit Vermerk: 27. Mai 28 Pfingsten. Zum Fest der Goldenen Hochzeit für Herrn und Frau Zollinspektor Caspar herzlich gewidmet durch Felizitas für Konrad und Maria Weiß

Das Düster bringt und Wald-Dickicht... ↗︎

Vermerk: zum Exemplar Frau Elsa Bruckmann (wohl als Widmung der Inselausgabe der Kleinen Schöpfung)

Glückliches kam viel entgegen... ↗︎

Widmung in Das Sinnreich der Erde; später als Widmung in das Reisebuch Deutschlands Morgenspiegel (München 1950) eingesetzt

AKROSTICHON FÜR DIE LESERIN ↗︎

Eintragung in das Gästebuch des Malers Karl Caspar: seiner lieben Felizitas Caspar zu Weihnachten 1928 Konrad Weiß

Ein Spiegel, der im Sturze nicht verfällt... ↗︎

Dieses und das folgende Widmungsgedicht in Konradin von Hohenstaufen, September 1938

So kehrt der Sinn in seine Ohnmacht ein... ↗︎

Vermerk: Für Herrn und Frau Prof. Caspar herzlich von Konrad Weiß, 1. November 1938 (Handschrift)

Zeit und Geist und Alter gehen... ↗︎

Vermerk: 30. Okt. 35 in eine Kleine Schöpfung (Handschrift)

Unvollendete Gedichte, Entwürfe ↗︎

Unter dem handschriftlichen Material, das sich aus dem Nachlaß des Dichters erhalten hat, fand sich auch eine größere Anzahl unvollendeter Gedichte und Entwürfe, von denen eine Reinschrift oder ein Typoskript nicht nachzuweisen ist. Es schien reizvoll, diese Handschriften, soweit sie sich entziffern ließen, in die neue Gesamtausgabe der Gedichte einzubeziehen. Abgesehen von einigen wenigen Texten, die fast als abgeschlossene Gedichte zu bezeichnen sind, handelt es sich meist um flüchtige Niederschriften in Bleistift oder Kopierstift. — Wie bei den Entwürfen und Fragmenten der Dichtung Largiris blieb die bisweilen nur skizzierte Interpunktion der Originale unangetastet.

KELCH DER ZEIT ↗︎

Unvollendeter Entwurf aus dem Sommer 1916 (vermerkte Daten: 20. 5. 16 und 1. 8. 16); drei bis vier Vorstufen, dann größere Niederschrift, mit Korrekturen und Varianten (vor allem in Strophe 6 und 8, die keinen reinschriftlichen Wortlaut bieten); alle Blätter der Entwürfe sind mit zahlreichen Notizen zum Thema, das den Dichter sehr beschäftigte, bedeckt. Die Reihenfolge der Strophen 4 bis 8 ist nicht völlig gesichert.

WORTE DES ANTICHRIST ↗︎

Früher Entwurf auf zwei Zetteln, mit zahlreichen Notizen zum Thema in verschiedener Schrift

Der mir die Geißel immer härter flicht...↗︎

Entwurf mit Vorstufe auf zwei Zetteln, mit Datum: 9. V. 17

FELICITAS ↗︎

Drei Blätter mit Entwürfen und einer Art Reinschrift der beiden ersten Strophen in Tinte; dazu Vermerk: zu Nacht der Jungfrauen, und Datum: 20. VIII. 17

SOHN (Sohnschaft)↗︎

Entwurf auf zwei Zetteln; Reihenfolge der letzten drei Strophen nicht gesichert; Vermerk und Datum: verbum caro, 19. X. 17

MUTTER DER GESCHLECHTER ↗︎

Entwurf mit weiteren Notizen und Datum: 19. X. 17

UNTERGANG ↗︎

Drei Blätter: Vorstufe; Entwurf auf der Rückseite der fertigen Fassung des Gedichtes Morgenchoral im Blute, mit Datum: 9. X. 17; gut lesbare Niederschrift des Fragments auf der Rückseite eines Verlags-Bestellzettels aus dem Herbst 1918

Ein erdenschweres Herz und kummerfeucht...↗︎

Fragment im Entwurf, mit zwei Vorstufen und Notizen zur Fortführung

Von Grimm und Grame stumpf gemacht...↗︎

Flüchtiger Bleistiftentwurf auf einzelnem Blatt

Mensch nur allein verloren niemals...↗︎

Zwei flüchtige Bleistiftentwürfe auf zwei Blättern

Danke, daß die Erde...↗︎

Flüchtiger Entwurf auf einzelnem Blatt

PALLAS ↗︎

Drei Entwürfe, mit Ansätzen zur Fortsetzung und mit Notizen zum Thema; Datum: 24. VII; der späteste Entwurf auf einem Korrekturblatt der Zeitschrift »Hochland« vom 13. Okt. 1917

Denn will ich als dein Nichts...↗︎

Flüchtiger Entwurf mit Vermerk: all dieses monologische Verse / Nacht der Jungfrauen

Gib mir, wie du Körner füllst...↗︎

Die Anordnung der drei Entwürfe läßt vermuten, daß sie einmal ein Ganzes bilden sollten

Morgenröte ohnegleichen...↗︎

Flüchtiger Bleistiftentwurf auf einzelnem Blatt

Ich habe Glauben...↗︎

Zwei Entwürfe mit Notizen, davon einer mit Datum: 14. I. 18

Des Glückes Ruh im Himmelblau...↗︎

Rascher Entwurf in Tinte, auf der Rückseite eines Werbezettels für eine politische Broschüre zur Friedensdebatte im Reichstag vom 24. bis 26. Januar 1918

Ohne Schwankung lebt der Sinn...↗︎

Flüchtig niedergeschriebene Einzelstrophe auf einer gedruckten Mitteilung des »Hochland« vom 1. Februar 1918

Verlust, der Gnaden zu sich glich...↗︎

Gut leserlicher Entwurf auf der Rückseite einer Zeitschriftenofferte vom Februar 1918

Einsam ein Wandrer für sich schritt...↗︎

Entwurf, mit Datum: 22. VI. 18, und Vermerk: Er will den nächsten Ort, an den er berufen ist aufschließen / Mein Herz ist unruhig bis es ruhet

Du hast mich, so wie ich gebeten...↗︎

Bleistiftentwurf auf der Rückseite eines Briefumschlags mit Poststempel vom 7. VIII. 18

Immer in die Dinge...↗︎

Entwurf auf Einzelblatt, mit Datum: 20. VIII. 18

Wie ist dieses Korn erwacht...↗︎

Flüchtiger Entwurf in Tinte auf einzelnem Blatt, mit Varianten und Datum: 7. X. 18

Was ich nicht tat, das mußte meine Seele...↗︎

Zwei Entwürfe, davon einer auf der Rückseite eines Briefes vom 3. Oktober 1918

Als Maria über die Schwelle trat...↗︎

Entwürfe auf drei Zetteln, mit weiteren Einzelversen; Reihenfolge der Strophen unsicher; die beiden letzten sind mit 1) und 2) beziffert

Jener aber brach nicht das Gesicht...↗︎

Die drei Entwürfe auf zwei Blättern folgen unmittelbar auf die erste Niederschrift des Gedichtes Lichtmeß. Über der ersten Strophe der Vermerk: Grünewald. Die Strophen von (1) sind numeriert 1), 2), 3); die von (2) in der gleichen Weise; doch wurde die 3) in 1) umgeändert und die erste Strophe von (3) trägt wiederum die Kennziffer 2)

Will die Magd des Herren sehen...↗︎

Entwurf auf Einzelblatt (Rückseite einer Reinschrift des Gedichtes Von unserem Wege, mit dem Datum 23. III. 23), mit Varianten

Zu dem Tier in meinem Rachen...↗︎

Entwurf auf Einzelblatt (Rückseite eines Briefes vom 9. Juni 1923)

Allein und geschehen...↗︎

Entwurf auf der Rückseite eines Briefes an die »Münchener Neueste Nachrichten«, ohne Datum

Unbewußter spricht der Mund...↗︎

Die erste Strophe wurde später unter dem Titel Sinngang in die erste Fassung des Gedichtbuches Das Sinnreich der Erde aufgenommen. Auch der Vierzeiler der Blinden Magd ist Reinschrift (Entwurf auf einem Briefumschlag mit Poststempel vom 17. 12. 28). Auf der Rückseite der Reinschrift die Notiz: Wanderer (gemeint ist das Gedicht Von unserem Wege): Blinde Magd / Stumme Magd / Jehova (gemeint ist Nacht der Jungfrauen 2 / Gäa / Stoß mich in den tiefen Brunnen) / Die erste Nacht; an anderer Stelle wird Gäa der Stummen gleichgesetzt; alle genannten Texte vermutlich zu Nacht der Jungfrauen gehörig.

Sprich du, sprich dein ganzes Lassen...↗︎

Entwurf auf einzelnem Blatt, mit Vermerk: Gedicht: Jesus: Anruf:

Schlafend seiner Augen Lauf...↗︎

Flüchtiger Entwurf im Tagebuch einer Bodenseereise; Reihenfolge der Strophen nicht gesichert; Strophe 2 bis 5 des Druckes im Entwurf als 1) bis 4) numeriert. Das Gedicht wurde von den Wandbildern in Oberzell auf der Reichenau angeregt; dazu seien folgende Notizen aus dem gleichen Tagebuch zitiert:

Kreation des Weibes, indem Schrift wie Zerstörung (während Mittelfeld die iustitia der Zerstörung Striemen hält und Bild als rein männliche Figuration) während zu Boden in die doppelte Haft sinkt / wie braucht das Weib wiedergeschaffen die erste Schöpfung / gegenüber der Pietà-Bank Maria. —

Montag, 21. Sept. 31. Gedanke über Schilf von Reichenau fortgesetzt / daß diese Bilder bei aller Klarheit etwas zerstörungshaft, striemenhaft allein Männliches in sich haben (Schrift hat wie Zerstörens Kraft / in der Wurzel doppelt Haft), daß christlicher Kunstsinn (gegenüber Klassik) Zerstörungsform der Zeit (gegenüber künstl. Zeitlosigkeit) in sich haben müsse / daß aber die Zerstörung angulativ gehalten ist durch das »Mittelfeld«, sie wird heilend, kann trotz oder gerade durch vulnus (vulnus = Seitenwunde) nicht zu Wurzel gehen (wogegen Schrift und Schilf, das Weib wie »Schnecke« auf den Leidbildern) / aber in Schilf und Schrift kehrt Sinn wie ein Fehlen und Ohnmachtwerden wieder zu Weib zurück und es erhebt sich in ihm selber ohne Begreifen, das Weib das Nachstaunendere und Blinde (Largiris) / christl. Kreation des Weibes. —

Mittwoch, 23. Sept. 31. das »Weibentstehen« gegen den Eckstein »neutrum« des Mittelfeldes / das neue Evawesen, zugleich Natur wieder und Brunnen sich füllend und Schöpfung in Anblick wieder entstehend. —

Freitag, 25. Sept. 31. Gedanke an Oberzeller Kontemplation: das Bild der immaculata im Blick der Säulen / Schilf sich im Winde wankend öffnend, in Gitterung der Schilfbahn wankendes Rohr sinkt die immaculata wie im Gitter erscheinend zu Boden und steigt auf / Schilf aber wie Striemen des Mittelfeldes empfinden

Ehe noch der starke Held...↗︎

Entwurf und Vorstufe auf zwei großen Blättern; thematisch vielleicht verwandt mit Claudia Procla

Was in der Luft wie Silber bringt...↗︎

Flüchtiger Bleistiftentwurf auf der Rückseite einer Quittung vom 11. Februar 1926

Willst du umsonst gewesen sein...↗︎

Fragment, aus dem letzten Lebensjahr des Dichters; Reinschrift der beiden ersten Strophen in Maschinenschrift, die zweite mit handschriftlichen Korrekturen, die dritte skizziert; alles auf einem Zettel mit Notizen

DIE UNMÖGLICHE SCHÖPFUNG ↗︎

Entwurf in Bleistift mit zahlreichen Korrekturen auf einem großen und einem kleinen Zettel

Still, so daß die Sonne...↗︎

Typoskript auf der Rückseite eines Briefpapierbogens des »Hochland«

Stoß zu, Macht selber ist ein Untergang...↗︎

Fragmente eines nicht näher bestimmbaren dramatischen Entwurfs, Doppelblatt mit zahlreichen Notizen

ZUM HAHNENSCHREI ↗︎

Vermutlich früher Entwurf: Fragment einer unvollendeten Übersetzung des ambrosianischen Hymnus Aeterne rerum conditor